Die beiden Gründer von heartbeet im eigenen Haus
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Interview mit heartbeet aus München

Das heartbeet trägt nicht nur einen besonderen Namen. Es verfolgt auch ein spannendes Konzept. Wenn ihr wissen möchtet, wo es die besten Bowls in München gibt und was es mit dem Namen auf sich hat, lest Euch schnell das Interview durch. Und falls ihr danach Magenknurren verspürt, lasst Euch doch die leckeren Bowls direkt nach Hause oder ins Büro liefern.

heartbeet über Nachhaltigkeit von Essen und leckere Bowls

Wir sprechen mit heartbeet über ihr nachhaltiges Konzept und wie man heutzuatge in all dem Wirwarr auf Ernährungsthemen und Hinweisen überhaupt noch den Überblick behalten kann, um zu erkennen, was wirklch zählt.

Wie seid Ihr auf den interessanten Namen „heartbeet“ gekommen?

Wir haben mit einigen Namen gespielt – viele waren ok, aber keiner hat uns wirklich emotional gepackt. Hinzu kommt: Der Sinn des Unternehmens ist unsere Wunschprojekte (Übernahme Sozialer verantwortung, Umsetzung nachhaltiger Ideen, ein bis zu den wurzeln ehrliches und gesundes Essens-Konzept) umzusetzen. Kein Name hat dazu gepasst. Wir brauchten einen Namen, der die Begeisterung für unsere Herzensprojekte widerspiegeln würde. Er sollte repräsentieren, dass hier unser Herzblut drinnen steckt und zeigen, wofür unser Herz schlägt. Mit der Hilfe einer guten Freundin sind wir dann auf den Namen „heartbeet“ gekommen.

Leckeres Essen zur Eröffnungsfeier von heartbeet
© heartbeet

Was hat es mit erbsenzähler und erbsenstreichler auf sich?

Geschäftsführer nennt sich heutzutage jeder. Wir wollen zeigen, dass wir frischer und dynamischer sind als Andere und keine Angst haben gesellschaftliche Zwänge zu brechen. Darum schreiben wir selbst auch alles klein (denn so tippt es sich schneller). Außerdem haben wir das „siezen“ verbannt, oder gaukeln dem Kunden nicht mit 9,99€ oder 9,90€ Preisen einen günstigeren Preis vor. Wir behaupten, der Kunde hat es inzwischen durchschaut. Viele „Regeln“ sind unserer Meinung nach überholt. Lieber orientieren wir uns daran, was funktioniert und angenehm ist. Unsere Partner sind positiv überrascht und unsere Kunden danken es uns (schnellere Kassiervorgänge, weniger Wechselgeld). Auch die Prozesse im Unternehmen sind dadurch viel effizienter. Da ich mich als der BWL-ler von uns Beiden um die Zahlen kümmere und der Peter die gute Seele und das Herz des Unternehmens ist, dachten wir, dass erbsenzähler und erbsenstreichler genau richtig sind.

Was hat Dich, Peter, genau dazu bewegt, den Schritt weg von der Sterneküche zu unternehmen?

Die Sterne glänzen, doch hinter den Kulissen sieht es oft anders aus. um den Schein zu wahren wird keine Rücksicht vor Verlusten gemacht. Für Nachhaltigkeit ist kein Platz, denn, egal was es kostet, wenn es um Sterneküche geht hat man Erwartungen. Von wo auch immer auf der Welt die Zutaten herkommen, die Gastronomie verbraucht unglaubliche Ressourcen. Entscheidungen wirken sich hier exponentiell aus, schließlich kocht man am Tag für mehrere Hunderte von Leuten. Es muss ein Umdenken in der Gesellschaft erfolgen und die Gastronomie sollte einer der Vorreiter sein. Außerdem sollte die Gastronomie am Geschmack bewertet werden und wenn es darum geht, dann zählen wir durchaus zur Sterneküche – so sagen es zumindest unsere Gäste 🙂

Welche drei Werte sind Euch am Wichtigsten in Sachen Ernährung?

Gesundes essen, Nachhaltigkeit, Ehrlichkeit.

  • eine vollwertige, ausgewogene Ernährung.
  • zusätzlich betrachten wir genau, woher unsere Zutaten kommen, wie wir sie verarbeiten und was wir hinterlassen. In diesen drei Prozessschritten – Input, Verarbeitung, Output auch Abfall versuchen wir bei allen Entscheidungen die Nachhaltigkeit vorrangig zu behandeln.
  • Doch wir wissen, dass auch wir noch viel an uns arbeiten müssen und noch lange nicht perfekt sind.

In Sachen Ernährung und dem Einkauf von Lebensmitteln gibt es so viel Anlass zur Diskussion wie noch nie, so scheint es zumindest. Wie habt Ihr Euren Weg gefunden? Wie kann in Euren Augen jeder von uns den richtigen Weg für sich finden?

Du hast vollkommen Recht. Zu jedem Thema schießen Experten wie Pilze aus dem Boden. Zu diesen Themen wird man nie eine „richtige“ Richtung finden, denn so viele Befürworter wie es gibt, genauso viele Gegner gibt es auch. Auch wir erleben es immer wieder. Selbst Themen wie „Plastik- oder Papiertüte?“ sind nicht so einfach und offensichtlich zu beantworten. Auf den ersten Blick doch eigentlich offensichtlich – aber nein, so leicht ist es leider nicht.

  1. Schritt: für uns haben wir uns eine Vision und Philosophie (zero waste und positive ökobilanz), als Grundeinstellung festgelegt von der wir uns leiten lassen
  2. Schritt: dadurch, indem man die Augen öffnet und sich für diese Themen sensibilisiert, wird man viele Handlungen im Alltag in frage stellen
  3. Schritt: Meinungen einholen (z.b. mit vielen vielen Freunden und Bekannten reden oder einfach mal Ecosian: Plastiktüte vs Papiertüte) – das bringt immer wieder neue Erkenntnisse, auch wenn oft Falschaussagen dabei sind – deswegen immer kritisch bleiben und von „Experten“ nicht einnehmen lassen)
  4. Schritt: akzeptieren dass es nicht immer nur schwarz oder weiß gibt. Für viele unterschiedliche Anforderungen gibt es eine richtige Lösung, die sich von den Anderen aber unterscheiden kann. So muss dann auch mal die eigene Leitphilosophie von zero waste auf less waste korrigiert werden.

Als großes Argument gegen qualitativ hochwertige Lebensmittel wird von vielen immer noch der Preis genannt. Discounter bieten mittlerweile auch schon Bio-Produkte für den kleineren Geldbeutel an. Was ist Eure Meinung dazu? Kann auch mit geringem Budget Qualität kaufen?

Gute Qualität lässt sich leider auch nicht einfach mit „bio“ betiteln.
Ja, es gibt beim Discounter „bio-zertifizierte“ Produkte. Auch wir hatten anfangs den Anspruch nur Bio-Produkte zu verarbeiten, bis wir dann plötzlich die Bio-Kartoffeln aus Ägypten geliefert bekommen haben.

Beispiele zum Begriff Bio: die Samen für Eu-Bioprodukte können sehr wohl auch konventionell sein, wenn es nicht ausreichend Bioqualität am Markt gibt. Nur Gentechnik oder chemische Vorbehandlung sind ausgeschlossen. Bauern, die nach den Eu-Bio-Richtlinien wirtschaften, müssen ihren Betrieb nicht komplett ökologisch bewirtschaften – theoretisch können sie ihn halb konventionell, halb ökologisch führen. das widerspricht nach Meinung vieler Kritiker nicht nur dem Umweltschutz-Gedanken, sondern birgt auch die Gefahr von Kontaminationen der ökologischen Erzeugnisse (z.b. durch Pestizide).

Auch der Begriff „artgerechte Haltung“ ist alles andere als eindeutig. Das Biosiegel erlaubt zum Beispiel beinahe die doppelte Zahl an Legehennen oder Masthühnern pro Hektar wie die drei größten deutschen Bioverbände Bioland, Demeter und Naturland.
Die Eu-Bio-Richtlinien machen zudem keine Angaben zur Entfernung des Schlachthofs. Während Transporte bei Bioland und Naturland auf maximal vier Stunden oder 200 Kilometer begrenzt werden, kann ein Schwein mit Eu-Bio-Siegel eine Fahrt durch halb Europa hinter sich haben.

Wir selbst haben uns dazu entschlossen möglichst nachhaltige Erzeugnisse, das heißt saisonal, aus regionalem und natürlichem Anbau, zu beziehen. Und diese gibt es direkt beim Bauern um die Ecke. Der bekommt dann mehr als vom Discounter und für den Endverbraucher ist es dennoch bezahlbar.

Woher bezieht ihr Eure Zutaten?

Unser Gemüse beziehen wir sofern möglich von der Firma Querfeld, die krummes Bio-Gemüse aus der Region von Bauern aufkaufen. Dabei handelt es sich um Gemüse, welches es durch sein Aussehen nicht in die Gemüsetheke schafft. Leider gibt es hier nicht immer das volle Angebot. Deswegen müssen wir uns dann Alternativen in der Großmarkthalle suchen. Unsere Vision ist Zwischenhändler auszuschalten und direkt persönlich von den Bauern der Region einzukaufen – dann in unseren eigenen Transportkisten, um Einwegverpackungen zu vermeiden. Auch der Einkauf unserer Artikel des Trockensortiments soll so bald wie möglich auf verpackungsfrei umgestellt werden.
Unseren Fisch bekommen wir übrigens von der Fischerei Seebald am Starnberger See und unser Geflügel vom Bauernhof aus Augsburg.

Grüner Salat, den es im Angebot von heartbeet gibt
© heartbeet
Gemischter Salat, den man bei heartbeet bestellen kann
© heartbeet

Welche Bowl möchtet Ihr unseren Lesern aktuell ans Herz legen?

Am besten am Prinzip unserer Stammkunden orientieren und einfach täglich vorbei schauen 😉 Eine Mittags und eine Abends, damit Ihr in den vollen Genuss unserer 12 Bowls kommen können. Aber beeilt Euch, denn bald wechseln unsere Saisonals und wer alle durch hat kann sich an der Königsdisziplin versuchen und sich seine eigene Lieblingsbowl zusammenstellen.

Italienische Bowl, die online bestellt werden kann bei heartbeet
Italienische Bowl © heartbeet

Ihr bietet auch einen Lieferservice an. Welche Bowl kommt im Büro besonders gut an?

Wir liefern natürlich jede Bowl schnell und sicher aus und es kam noch nie vor, dass eine Bowl nicht gut ankam. Wenn man natürlich auf den Geschmack anspielt, dann würde ich sagen, dass unsere Proteinbombe die ideale Power Bowl ist, um die Energiereserven wieder zu füllen und gestärkt für den restlichen Tag zu sein.

Die Protein Bowl von heartbeet lässt sich ins Büro bestellen
Protein Bowl © heartbeet

Adresse und Öffnungszeiten

heartbeet

Rosenheimer Str. 109, 81667 München

https://heartbeet.de/

Abholung und Lieferung nur zu den Öffnungszeiten möglich
mo – fr von 11 – 21 uhr

*Herzlichen Dank geht an erbsenzähler und erbsenstreichler von heartbeet für das Interview // Anzeige wegen Namensnennung